EU-Agrarwirtschaft bekräftigt klare Ablehnung

Anlässlich neuer Gespräche über eine Ratifizierung des Freihandelsabkommens zwischen der Europäischen Union und den Mercosur-Staaten hat die europäische Agrarwirtschaft nochmals ihre klare Ablehnung dagegen bekräftigt. Wie die EU-Ausschüsse der Bauernverbände (COPA) und ländlichen Genossenschaften (COGECA), die Vereinigungen der Europäischen Geflügelverarbeiter und -händler (AVEC) sowie der Europäischen Rübenanbauer (CIBE) heute erneut feststellten, ist die im Juni 2019 getroffene Handelsübereinkunft zu einer Zeit, in der die EU-Landwirte Lösungen für die Umsetzung der Zielvorgaben des Green Deal suchen müssten, schlicht inakzeptabel. Es gebe drei Hauptgründe, die gegen den Freihandelsvertrag mit den Südamerikanern in seiner jetzigen Fassung sprächen.
Erstens sei das Landwirtschaftskapitel im Vertragstext vor allem in Bezug auf bereits anfällige Sektoren "unausgewogen", erklärten die Dachverbände. Als Beispiel verwiesen sie auf die Einigung beim Rindfleischhandel, die eindeutig den EU-Viehzuchtsektor zugunsten der großen Marktakteure in den Mercosur-Ländern benachteilige.

Zweitens warnen die Verbände generell vor schwerwiegenden Auswirkungen für die EU-Landwirtschaft bei Umsetzung aller bereits unterzeichneten sowie noch angestrebten Handelsabkommen. Laut COPA/COGECA, AVEC und CIBE wurde dies erst jüngst durch eine Studie der Kommission über die kumulativen Folgen für den Agrarbereich bestätigt. In diesem Kontext sei das EU-Mercosur-Abkommen "der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringen könnte". Beispielswiese könne gemäß dieser Übereinkunft aus dem Mercosur jährlich eine Geflügelfleischmenge in die EU geliefert werden, die der Erzeugung von Dänemark, Finnland und Schweden zusammengenommen entspreche.

Das dritte und "entscheidende Argument" sei, dass das Abkommen mit den Südamerikanern aufgrund von Doppelstandards die EU-Landwirtschaft eindeutig im Wettbewerb benachteilige. Symptomatisch dafür sei der Zuckersektor. Dank des Abkommens werde die EU Zucker und Ethanol importieren - Produkte, die in Südamerika "in krassem Gegensatz" zu den hiesigen Produktionsweisen erzeugt würden. So dürfen laut CIBE aktuell in Brasilien 27 Herbizide und Insektizide verwendet werden, die in der EU verboten sind. Vor dem Hintergrund der in der Farm-to-Fork-Strategie genannten Ziele seien solche Doppelstandards beziehungsweise ungleichen Wettbewerbsbedingungen in "keiner Weise nachvollziehbar". Diese führten unweigerlich zur Abwanderung der Agrarproduktion in Länder, wo die EU keinen Einfluss und keine Kontrolle über die Produktionsstandards habe. AgE


© 2021 Raiffeisen Alstätte-Vreden-Epe eG -
Kontakt: info@raiffeisen-ave.de - Datenschutz Impressum
Durch die Nutzung dieser Webseite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Mehr erfahren
OK