Russland importiert fast kein Schweinefleisch mehr

Vor acht Jahren war Russland mit einer Einfuhrmenge von rund 1 Mio t noch weltweit der zweitgrößte Importeur von Schweinefleisch; mittlerweile sind die Bezüge praktisch auf Null gesunken. Wie aus vom dänischen Dachverband der Agrar- und Ernährungswirtschaft (L&F) veröffentlichten Außenhandelsdaten hervorgeht, importierte Russland im ersten Halbjahr 2020 nur noch knapp 4 600 t Schweinefleisch - und das einschließlich Speck und Nebenerzeugnissen. Im entsprechenden Vorjahreszeitraum waren es noch 64 000 t gewesen, doch der bis dato größte Lieferant Brasilen musste seine Ausfuhren wegen veterinärrechtlicher Unstimmigkeiten fast vollständig einstellen und lieferte zwischen Januar und Juni lediglich 422 t.
Damit wurde Chile zum wichtigsten Drittlandsanbieter in Russland; die dorthin verkauften 2 440 t Schweinefleisch, zur Hälfte Speck, blieben jedoch ebenfalls klar unter dem im Vorjahreszeitraum abgesetzten 21 230 t. Wenige Restmengen werden noch von Argentinien, Paraguay, Weißrussland und Kasachstan nach Russland verkauft.

Die russische Importsubstitutionspolitik und der mit staatlichen Mitteln unterstütze Ausbau der eigenen Schweineproduktion hat dazu geführt, dass das Land am Weltmarkt immer stärker als Exporteur auftritt. Im ersten Halbjahr 2020 beliefen sich die Ausfuhren einschließlich Nebenerzeugnissen und Speck auf 86 120 t; damit hat sich die Exportmenge gegenüber der entsprechenden Vorjahresperiode fast verdoppelt. Wichtigster Kunde war Hongkong mit einer Bezugsmenge von 24 470 t, die vor allem auf genießbare Schlachtnebenerzeugnisse entfielen. Dahinter folgten Vietnam mit 21 930 t sowie die Ukraine mit knapp 20 000 t.

Alle drei Länder gehören auch zu den Kunden von Anbietern aus der Europäischen Union, die wohl auch in Zukunft eine größere russische Konkurrenz beachten müssen. Dies gilt umso mehr, da sich Moskau um Exportmöglichkeiten nach China bemüht, denen bisher vor allem die Probleme mit der Afrikanischen Schweinepest (ASP) im Wege standen. Bei einer weiter zunehmenden Erzeugung gehen Analysten davon aus, dass Russland in den kommenden Jahren noch mehr Schweinefleisch am Weltmarkt verkaufen wird. AgE


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