Weizenmarkt nach neuer USDA-Schätzung auf Richtungssuche

Die Weizennotierungen an der europäischen Leitbörse sind nach der gestern vorgelegten Ernte- und Bilanzschätzung des amerikanischen Landwirtschafsministeriums (USDA) auf Richtungssuche. An der Matif ist der Mitte Juli eingesetzte Preisverfall am gestrigen Handelstag zumindest vorrübergehend zum Stillstand gekommen, nachdem es zuvor scheibchenweise um 10 Euro/t nach unten gegangen war. Der Septemberkontrakt für Weizen wurde heute in Paris gegen 11.15 Uhr für gut 178 Euro/t gehandelt.
Ob es mitten in der Ernte tatsächlich zu einer nachhaltigen Gegenbewegung bei den Weizenpreisen kommt, muss nach Ansicht von Marktanalysten allerdings abgewartet werden. Das USDA hat seine Weizenschätzung für die Europäische Union einschließlich des Vereinigten Königreichs in seinem August-Bericht zwar um 4 Mio t auf 135,5 Mio t zurückgenommen; diese Kürzung wird jedoch durch Aufwärtskorrekturen für Russland, die Ukraine sowie die USA selbst nahezu ausgeglichen.

Das US-Landwirtschaftsministerium begründet die starke Rücknahme der Weizenernteschätzung für die EU mit einer dramatisch niedrigeren Flächenangabe aus Frankreich, die mitten im Drusch um weitere 300 000 ha reduziert wurde. Damit fehlen dort weitere 2 Mio t Weizen, die bisher vom Handel fest eingeplant waren. In Frankreich war es zur Aussaat im Herbst 2019 so nass gewesen, dass der Winterweizen vielerorts nicht in den Boden gebracht werden konnte. Mittlerweils geht das Pariser Agrarressort davon aus, dass landesweit die kleinste Fläche seit 1994/95 mit Weizen gedrillt wurde.

Hierzulande macht sich derweil die anhaltende Trockenheit negativ bei den Weizenerträgen bemerkbar. Das USDA hat seine Schätzung für die deutsche Ernte deshalb jetzt um 800 000 t auf 20,9 Mio t herabgesetzt. Hitze während der Kornfüllungsphase hat auch den heranwachsenden Weizen in Südosteuropa geschädigt. Die zusätzlichen Ertragseinbußen in Bulgarien und Rumänien beziffert das Ministerium auf zusammen 1,0 Mio t.

Trotz der Ausfälle in Europa bleibt der globale Weizenmarkt 2020/21 jedoch mehr als komfortabel versorgt. Insgesamt dürften den Washingtoner Fachleuten zufolge weltweit rund 766 Mio t Weizen eingefahren werden, sollte es im Saisonverlauf nicht noch zu weiteren Wetterkapriolen kommen. Dem steht in der laufenden Kampagne ein globaler Verbrauch von nur 750 Mio t des wichtigsten Nahrungsgetreides gegenüber.

Die globalen Weizenbestände werden gemäß dem August-Bericht des USDA durch den Angebotsüberhang im Saisonverlauf um 16 Mio t auf 316,8 Mio t wachsen. An der Welt-Leitbörse von Chicago reagierte der Terminweizen denn auch mit leichten Kursverlusten auf die insgesamt bärischen Zahlen aus dem US-Agrarressort. Der Preis für ein Bushel Futterweizen rutschte noch ein Stückchen weiter unter die psychologisch wichtige 5-Dollar-Marke (153 Euro/t). AgE


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