Ölsaatenindustrie warnt vor Aus für Leinsaatimporte

Vor einem Aus der Leinsaatenimporte in die Europäische Union und negativen wirtschaftlichen Folgen für die hiesigen Ölmühlen hat der Verband der ölsaatenverarbeitenden Industrie (OVID) gewarnt. Er verwies heute in Berlin darauf, dass die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) eine Risikobewertung für das Pflanzenschutzmittel Haloxyfop in Leinsaaten vorgenommen und einen angepassten Grenzwert von 0,5 mg/kg vorgeschlagen habe. Aktuell entspreche dieser dagegen der Nachweisgrenze. Haloxyfop werde weltweit als Herbizid eingesetzt.

Der Umweltausschuss des Europaparlamentes plädiere für die Beibehaltung des aktuellen Zustands, also die Nachweisgrenze, führte OVID aus. Setze sich diese Ansicht bei der Abstimmung im Parlament durch, würdern das EU-weit gültige Prinzip der risikobasierten Lebensmittelsicherheit in Frage gestellt und der Import von Leinsaaten nahezu unmöglich. "Wir beobachten, dass sich politische Entscheidungen von sachgerechten Risikobewertungen entfernen. Das stört das Grundprinzip der risikobasierten Lebensmittelsicherheit, belastet das Investitionsklima und gefährdet Arbeitsplätze", so OVID-Geschäftsführer Dr. Gerhard Brankatschk.

Um die Versorgung mit Leinsaaten in Lebens- und Futtermitteln sowie die Nutzung als nachwachsender Rohstoff aufrechtzuerhalten, "fordern wir das Europaparlament auf, dem von EU-Kommission und Mitgliedstaaten unterstützten EFSA-Vorschlag, der Etablierung einer Importtoleranz für Haloxyfop in Leinsaaten, zuzustimmen", erklärte Brankatschk. Leinsaat sei in Europa ein knapper Rohstoff. Die EU sei hier 2019 auf Importe von 737 000 t angewiesen gewesen.

In Deutschland haben die Ölmühlen laut OVID im vorigen Jahr rund 150 000 t Leinsaat verarbeitet; die hiesige Ernte habe nur etwa 5 000 t betragen. Der Geschäftsführer der Ölmühle C. Thywissen in Neuss, Detlef Volz, berichtete, dass aufgrund der aktuellen Situation bereits heute eine massive Beeinträchtigung der Leinsaateneinfuhren zu verzeichnen sei. Wenn die Politik von einer sach- und fachlichen Risikobewertung Abschied nehme, stehe der Standort der heimischen Verarbeitung auf dem Spiel.

Volz hob hervor, dass Leinschrot ein beliebtes Futter in der Pferdezucht sei und Leinöl zu den gesündesten Pflanzenölen überhaupt zähle. Häufig werde Leinöl außerdem als Bindemittel zur Herstellung von Farben, Lacken und Fußbodenbelägen eingesetzt und sei seit Jahrhunderten ein natürlicher Holzschutz für Möbel, Fenster und Türen. AgE


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